Religionspolitische Jahrestagung 2019: ‘Benötigen wir eine neue Religionspolitik in Deutschland?’

In diesem Jahr konnten wir auf 70 Jahre Grundgesetz und 100 Jahre Weimarer Verfassung zurück blicken. Die Religionsfreiheit spielt in beiden Verfassungen eine zentrale Rolle und ist ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie. Gleichzeitig, wirkt die Weimarer Verfassung, die das rechtliche Verhältnis von Religion und Politik geregelt hat, bis heute nach und ist in Teilen Bestandteil unseres Grundgesetzes. Der Rückblick auf 100 Jahre Religionsverfassungsrecht führt aber auch zu der Frage, inwieweit sich unsere Gesellschaft verändert hat und die geltenden Regelungen noch zeitgemäß sind.

Auch in Deutschland kann eine zunehmende Pluralisierung der Lebens- und Glaubenswelten der Bevölkerung beobachtet werden. Einerseits hat die Zahl der Konfessionslosen zugenommen und liegt bei mehr als einem Drittel der Bevölkerung. Gleichzeitig haben die großen Kirchen, mit einem anhaltenden Rückgang der Mitgliederzahlen zu kämpfen. Andererseits wird die Vielfalt der religiösen Gemeinschaften immer sichtbarer. Insbesondere die Zahl der Muslime ist gestiegen und wird aktuell auf fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung geschätzt.

Religion spielt weiterhin eine wichtige Rolle in der heutigen Gesellschaft. So wird die Frage der Integration von Migrant_innen oft sehr stark mit der Frage nach der Integration des Islams in Deutschland verbunden. Auch die Frage nach den staatlichen Kooperationsmöglichkeiten mit islamischen Verbänden, zum Beispiel bei der Organisation von Religionsunterricht, wird öffentlich kontrovers diskutiert. Aspekte der Anerkennung und Finanzierung von kleineren Religionsgemeinschaften spielen eine bedeutende Rolle und werfen die Frage auf, inwieweit Glaubensgemeinschaften gleich behandelt werden und Religionsfreiheit gewährleistet wird. Aber auch die Toleranz gegenüber anderen Religionen scheint abzunehmen. So ist nicht erst seit dem Anschlag in Halle klar, dass Deutschland ein Problem mit zunehmendem Antisemitismus hat, was sich nicht zuletzt mit der Schaffung der Stellen eines Antisemitismus-Beauftragen der Bundesregierung im Jahr 2018 äußerte.

Die religionspolitische Jahrestagung der Friedrich-Ebert-Stiftung stellt die Frage, wie heute religiöses Leben in Deutschland funktioniert und welche Bedeutung religiöse und weltanschauliche Überzeugungen für das Zusammenleben in einer pluralen Demokratie haben. Lassen Sie uns gemeinsam diskutieren, welche Problemfelder bestehen, ob eine neue Religionspolitik in Deutschland benötigt wird und, falls ja, wie diese aussehen könnte.

Diese Fragen diskutierten u.a MdB Lars Castellucci, Martin Vogel von der EKBO, Gesa S. Ederberg, Rabbinerin der Synagoge Oranienburger Straße der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Engin Karahan, Beiratsmitglied der Alhambra Gesellschaft e. V. sowie Ralf Schöppner, Humanistische Akademie.

Zur Videoaufzeichnung der Podiumsdiskussion:

https://www.fes.de/forum-berlin/artikelseite-forum-berlin/benoetigen-wir-eine-neue-religionspolitik-in-deutschland

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Categories: Aktuelles, Presse

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