Warum wir die Welt in Halal und Haram sehen

Ein Beitrag von Prof. Dr. Serdar Kurnaz, Berliner Institut für Islamische Theologie, Humboldt-Universität zu Berlin

Stellen Sie sich vor: Sie sind eine Pflegerin, tiefgläubig. Sie wollen stets das Richtige tun. Ihre neue Aufgabe ist es, einen Alzheimerpatienten zu pflegen, dessen Familie ihn nur Teilzeit betreuen kann. Der Patient ist zugleich inkontinent. An einem Tag, an dem die Pflegerin bei ihm zu Hause alleine ist, nässt er sich. Sie muss seine Kleidung komplett wechseln. Sie, liebe*r Leser*in, würden jetzt (wahrscheinlich) spontan sagen: Die Pflegerin muss ihm natürlich helfen. Einige von Ihnen würden vielleicht denken: Das darf sie nicht, da sie den Schambereich des Patienten sehen würde. Andere von Ihnen würden sagen: Es ist eine Notsituation, daher wählt sie das kleinere Übel, auf die Schambereiche zu blicken. Genau in diesem Dilemma steckt die Pflegerin: Sie weiß, sie muss helfen. Sie weiß aber auch, dass sie sich damit an einer religionsrechtlichen Grenze befindet. Ihm zu helfen bedeutet für sie, eine Sünde begehen zu müssen, und zwar die Schambereiche eines Mannes zu erblicken. Sie greift daher schnell zum Telefon, lässt sich eine Fatwa erteilen. Der Mufti urteilt: Sie darf ihn uneingeschränkt waschen (Gott sei Dank).

Diese kleine Geschichte ist eine Szene aus dem Film (2011) „Die Trennung von Nader und Simin“ (pers. Ǧodāī-ye Nāder az Sīmīn) vom iranischen Regisseur Asghar Farhadi. Sie könnte aber auch genauso gut real sein; eine Geschichte eines*er Verwandten, Bekannten. Real dagegen ist die folgende Szene, die tagtäglich geschieht: Sie sind ein Arzt in der Notaufnahme. Eine Patientin trifft schwerverletzt ein. Sie reanimieren diese Person mehrfach, haben alles vorschriftsmäßig getan und müssen nun entscheiden; reanimiere ich diese Person weiterhin, mit der Möglichkeit, dass sie überlebt aber dafür nur eine Aussicht darauf hat, künstlich beatmet zu werden und im Koma zu leben. Oder unterlasse ich die weitere Behandlung und führe damit den Tod herbei. Ist Letzteres erlaubt (arab. ḥalāl) oder verboten (arab. ḥarām)? Eine Frage also, die sich Muslime ständig stellen; wahrscheinlich auch zuletzt im Rahmen der Silvesterfeier, auch wenn durch Covid-19 viele Feiermöglichkeiten untersagt worden sind.

Mit dieser Frage kreieren wir uns eine Welt, die aus schwarz und weiß, also aus Halal und Haram besteht.  Wieso denken wir aber zwanghaft in dieser Dichotomie? Reicht es nicht aus, guten Gewissens alles zu tun und nach bestem Wissen zu handeln? Gibt es keine Grautöne zwischen Halal und Haram? Doch, die gibt es! Und zwar nicht nur Grautöne, sondern die muslimische Tradition ist so bunt wie der Regenbogen. Was ist aber passiert, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen; wieso wurden wir farbenblind?

Eine solche tiefgreifende Entwicklung, die repräsentativ für eine Religionstradition steht, kann man nicht mit einem Phänomen in der Geschichte erklären – meistens zitiert die Wissenschaft die Moderne und die ihr vorausgehende Kolonialerfahrung. Tiefgreifende Entwicklungen sind für gewöhnlich multikausal, haben mehrere Gründe und Faktoren. Aber eine unter ihnen ist essentiell. Sie ist so einflussreich, dass eine gesonderte Betrachtung mir hier erlaubt erscheint. Gehen wir ihr in den Grundzügen nach und machen eine Reise in die theoretische Welt des islamischen Rechts, den Ort, an dem alltägliche Probleme (theologisch) gelöst wurden und immer noch werden.

Sowohl der Koran als auch der Gesandte Gottes haben dem Menschen vertraut. Viele Bereiche des Lebens regelt der Koran nicht; er rekurriert auf die gute und bekannte Praxis, um alltägliche Probleme zu lösen. Das nennt er maʿrūf. Der Gesandte Gottes tut es ähnlich. Oft äußert er sich zu einem Problem nicht, überlässt den Gefährten die Lösungsfindung, lässt mehrere Lösungen für dasselbe Problem zu. Es ist nicht selten, dass er auf die gleiche Frage unterschiedlich antwortet. Obwohl der folgende Hadith schwach ist, beschreibt er genau seine Haltung: Wenn etwas passiert, oder wenn man sich entscheiden muss, eine Handlung zu vollziehen oder zu unterlassen, so soll man sein eigenes Herz befragen. Bebt es, dann ist die Entscheidung falsch. Ist es ruhig, hat man sich richtig entschieden, auch wenn andere davon abraten sollten. Da die menschliche Erfahrung so zentral ist, haben sich von Anbeginn der muslimischen Tradition unterschiedliche Auffassungen und Wege entwickelt, wie man alltägliche Probleme löst.

Dann aber entstand das Bedürfnis nach einer Einschränkung der unendlich anmutenden Lösungsmöglichkeiten. Es kamen Gelehrte ins Spiel, die weder die rein rationale Lösungsfindung akzeptierten noch diejenige, die auf menschlicher Erfahrung basierte. Sie forderten, dass man nur den Wortlaut des Korans und der Sunna des Propheten berücksichtigte. Und sie haben sich durchgesetzt; sie ließen zwar immer noch rationalistisch orientierte Zugänge zu, kontrollierten sie aber mit Rückbezug auf die schriftlichen Quellen. Damit verlor die menschliche Erfahrung ihre zentrale Rolle zur Bewältigung alltäglicher Angelegenheiten. Es kam hinzu – ich stelle es stark vereinfacht dar –, dass sich eine theologische Haltung durchsetzen konnte: Das Gute und Böse existiert gar nicht, sondern nur das, was Gott gebietet, wird als gut und erstrebenswert erachtet; das, was er verbietet, wird als böse bewertet und ist zu vermeiden. Wenn das Gute und Böse auf die Befehle Gottes reduziert werden, dann geschieht eben das, was wir oben gesehen haben: Der Mensch muss nach dem Erlaubten und Verbotenen fragen, um korrekt und angemessen zu handeln.

Zurückzuverfolgen ist diese Entwicklung bis spätestens ins 3./9. Jahrhundert. Unter den Auseinandersetzungen zwischen den Dynastien suchten die Gelehrten nach einer Instanz, die auch die Herrschenden in Schranken setzen konnte und die Menschen vor ihrer Willkür schützen sollte. Das war die Rede Gottes, also der Koran, und die Lebensweise seines Gesandten. Daher wurden beide Quellen absolut gesetzt; gültig für alle Ewigkeiten in ihrer schriftlichen Form. Es war nunmehr irrelevant, dass der Koran auf Verhältnisse des Arabiens des 7. Jahrhunderts reagierte, dass die Sunna die Sunna der Muslime – und somit dynamisch und veränderbar – war und erst später auf den Propheten reduziert wurde. Sie wurden absolut gesetzt und alle Handlungen nach Halal und Haram – und einigen Zwischentönen – reduziert. Das ist ein Rechtsdenken, das nicht nur der muslimischen Tradition bekannt ist. Es ist daher kein Wunder, dass die mystische Tradition, also der Sufismus, als eine Reaktion darauf entstanden ist – dass sie später doch solche Züge annehmen konnte, die stark restriktiv sind, sei hier nur kurz erwähnt.

Obwohl der Mensch, sunnitisch gesprochen, eine beschränkte Willensfreiheit hat, hat seine Erfahrung für die Bewältigung alltäglicher Probleme keine Rolle mehr gespielt – zumindest in der Theorie. Damit kreierten die Gelehrten eine künstliche Diskrepanz zwischen religiösem und nichtreligiösem Wissen, was wir heute gerne als islamisch und nicht-islamisch gleichsetzen. Außerdem sollte dieser Zug Sicherheit garantieren; religiös begründetes Wissen sollte von unbegründetem unterschieden werden. Die auf menschliche Erfahrung basierende Begründung von Handlungen sollte kontrolliert werden. Dafür haben die Gelehrten Regeln hergeleitet und vorausgesetzt, dass jeder Gelehrte einer Rechtsschule, die solche festlegt und Grenzen bestimmt, folgen soll. Diese Ausbildung der Gelehrten sollte garantieren, dass man nicht jede willkürliche Auslegung der religiösen Texte und Herleitung von Handlungsvorschriften und -empfehlungen legitimieren können sollte. Blenden wir aber diesen Hintergrund aus und setzen sowohl die theoretischen als auch praktischen Vorstellungen der Rechtsschulen absolut, so werden wir dazu gezwungen, in den Halal- und Haramkategorien zu denken. Es gibt dafür auch praktische Gründe: Wenn die Gelehrten die Lösungen in „erlaubt“ und „verboten“ kategorisieren, entlastet dies die Allgemeinheit. Entscheidungen können die Nichtexperten einfacher treffen; sie werden entlastet. Ähnliches sehen wir auch heute: Hat ein Krankenhaus nur beschränkte Möglichkeiten Covid-19-Patienten zu behandeln, müssen sie nach Triage-Vorgaben die zu behandelnden Patienten auswählen. Die Triage entlastet die Ärzte; so sollen Rechtsmeinungen der Gelehrten die Allgemeinheit entlasten. Dass dies alles aber stark einschränkend ist, wenn man solche Entwicklungen außer Acht lässt und die Tradition verabsolutiert, liegt auf der Hand. Schon in der Geschichte haben die Gelehrten in ihren rechtspraktischen Urteilen und Gutachten, also Fatwas, die Lebensrealität der Menschen nicht ungeachtet gelassen. Sie war für die Lösungsfindung maßgeblich. Es gab immer Fatwas, die auf die Person zugeschnitten waren und oft von der Standardliteratur abwichen.

Dass aber die Deutung der Koranverse und der Sunna des Propheten nicht immer der Sache dienlich war, haben die Gelehrten im Laufe der Jahrhunderte erkannt. Das engstirnige Denkmuster „erlaubt-verboten“ hat nicht funktioniert; funktioniert auch heute nicht. Obwohl die Gelehrten sich selbst in Ketten legten, suchten sie nach eigenen Spielregeln innerhalb dieser Ketten, die ihnen Flexibilität erlaubten. Nur selten finden wir daher Berichte, die uns kundgeben, dass die Handamputationsstrafe oder die Bestrafung der Unzucht vollzogen wurde. Sie wurden mit Rechtskniffen, erschwerten Bedingungen für den Vollzug und vielen Hinderungsgründen oft verhindert. Jede Rechtsschule kennt daher viele Lösungen innerhalb der eigenen Reihen, da man weiß, dass falsch und richtig sich über Jahrhunderte verändern, dass menschliche Erfahrung doch eine Rolle in der Entscheidungsfindung spielt, dass Menschen keine Falsch-Richtig-Maschinen sind, sondern von Entscheidungen auch emotional betroffen sind, sich oft spontan entscheiden und mehrere Lösungen für einen Vorfall möglich sind. Die Gelehrten wussten schon immer: Wir leben, was den Alltag der Menschen anbelangt, unter Wahrscheinlichkeiten; eine Lösung kann wahrscheinlicher als die andere sein. Daher ist die muslimische Tradition – mal mehr und mal weniger – plural und ambiguitätstolerant, was immer stärker in Vergessenheit geriet.

Es gab daher immer wieder alternative Methoden, die dem Menschen nicht nur die juristische Verpflichtung, Gebote und Verbote zu befolgen, zuteilwerden ließen, sondern ihm die Verantwortung zurückgaben. Seit dem 20. Jahrhundert und noch heute versuchen die Gelehrten, dies durch die Parole „Ziele der Scharia“ wiederzubeleben. Man versucht, dem Menschen die Verantwortung wieder zurück zu geben; man soll nicht mehr blind den vorherigen Lösungen folgen (also taqlīd betreiben). Es ist eine Gegenreaktion auf islamistische und streng konservative Bewegungen, die islamische Lösung zu formulieren und alle anderen zu tilgen zu versuchen. Dabei verstehen sie alles als islamisch, was durch die religiösen Texte begründet werden kann. Dass das aber alles nur eine Auslegungssache ist, verblenden sie; nichts ist in Stein gemeißelt.

In diese Entwicklung reiht sich auch die Vorstellung, dass zeitgemäße Lösungen nur dann möglich sind, wenn verschiedene Experten aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen zusammenkommen. Sie suchen gemeinsam nach der Lösung, die dem Menschen am nützlichsten ist. Sie berücksichtigen dabei den Kontext und die Lebensrealität der Menschen. Es gibt mittlerweile den Trend dazu, dem Menschen wieder mehr Optionen zur Verfügung zu stellen, die zur (Er)Kenntnis von moralisch gerechtfertigten Handlungen befähigen. Meines Erachtens entspricht dies der prophetischen Tradition, und dem Hadith, den ich oben genannt habe: Der Mensch soll nach bestem Wissen und Gewissen handeln, indem er sich von der Botschaft des Gesandten Gottes leiten lässt und, je nach dem, worin er eine Expertise hat, diese ständig erweitert. Entsprechend gibt es oft keine eindeutige Lösung zu einem Fall. Daher ist die Suche nach der islamischen Ansicht eine vergebliche; sie gibt es (oft) nicht. Wie auch zu vermuten ist, ist unklar, was das Islamische überhaupt sein soll. Der Koran ist mit seinem Aufruf dazu, das Bekannte und Gute zu tun, klar; er selbst spricht nicht vom Islamischen. Tut man also das Beste, was man leisten kann, befindet man sich auf einem guten Weg. Jede Wissensquelle dient zur Reflexion einer vertretbaren Handlung, die niemandem schadet. Damit erfüllen wir eines der Hauptprinzipien der muslimischen Tradition: Der Schaden wird behoben! Ob die Wissensquelle oder die Lösung eine islamische – was auch immer das heißen mag – oder sonst wie ist, ist irrelevant. Das heißt aber nicht, dass man immer richtig handelt; man kann sich irren. Ist dies aber nicht das Schöne an der Religion: Die Spannung zwischen den möglichen Optionen ständig abzuwägen, in der Hoffnung darauf, das Beste zu tun, oder danach zu streben? Natürlich mit der Hilfe und Rechtleitung Gottes.

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1 thought on “Warum wir die Welt in Halal und Haram sehen

  1. as-Salāmu ʿalaikum :))
    Was mir persönlich spontan dazu einfällt:

    Der Gesandte Allāhs ﷺ sagte: „Das Erlaubte ist offenkundig, und das Verbotene ist offenkundig, und zwischen den beiden gibt es zweifelhafte Angelegenheiten, über die viele Menschen nicht Bescheid wissen. Wer sich nun vor den zweifelhaften Angelegenheiten hütet, macht sich damit frei, was seine Religion und Ehre betrifft. Wer auf zweifelhafte Angelegenheiten hereinfällt, der gerät in das Verbotene, wie der Hirt, der seine Herde um den geschützten Bezirk herum weidet, im Begriff ist, darin zu weiden. Fürwahr, jeder Herrscher hat einen geschützten Bezirk, und Allahs geschützter Bezirk ist das Verwehrte. Fürwahr, im Körper ist ein kleiner Fleischklumpen; und wenn er gesund ist, ist der gesamte Körper gesund, und wenn er schlecht ist, ist der gesamte Körper schlecht. Fürwahr, dies ist das Herz.“ (Bukhari, Muslim/ Übersetzung Bubenheim)

    Das bedeutet nicht, dass man sich immer in allem einig oder war oder ist, was verboten oder erlaubt sei, jedoch belegt das, dass diese Kategorien sehr wohl eine gute Grundlage in unserem Din haben und zu Recht angewendet werden.

    Und das es nicht jedermanns Aufgabe ist, zu entscheiden, was erlaubt und verboten ist, lernen wir auf warnende Art aus folgendem Vers:
    „Und sagt nicht von dem, was eure Zungen lügnerisch behaupten: «Dies ist erlaubt, und dies ist verboten», um gegen Gott Lügen zu erdichten. Denen, die gegen Gott Lügen erdichten, wird es nicht wohl ergehen. (16:116/ Übersetzung Khoury)

    Ich finde es schwierig von jedem zu verlangen, dass er entscheidet, was erlaubt oder verboten sei, nach bestem Wissen und Gewissen und dann bei Beachtung der „Ziele der Scharia“. Was ist mit diesen „Zielen“ konkret gemeint und wie werden diese angewendet?
    Stützt man sich dabei auf einen Imam al-Ghazali, einen Imam ash-Shatibi oder einen Ibn al-Qayyim? Oder auf einen Imam Tahir Ibn Ashur aus dem 20.Jh. oder auf noch lebenden Denker wie Sh. Raisuni (Marokko) oder Sh. Salim ash-Scheikhi (Libyen)? Oder auf eher „liberale“ Denker aus Marokko, Ägypten oder gar Deutschland? Da könnte sich jeder das herauspicken, was ihm gerade gefällt.
    Wie lernt ein einfacher Muslim die Anwendung der „Ziele der Scharia“? Gibt es dazu gut durchdachte Methoden? Wird etwas praxisorientiertes und realistischer dazu in den Instituten für Islamische Theologie gelehrt oder ist es dann doch eher Wunschdenken?

    Außerdem entspringen die Diskussionen zu den „Zielen der Scharia“ u.a. den Usul Diskussionen rund um Asbab (Gründe?) und ´Ilal (Wirkungsursachen?), die wiederum eng mit der Rechtsschulentwicklung zusammenhängen. Also wird es hier eher schwierig, sich komplett von Denkern innerhalb der Rechtsschulen zu lösen.

    Die Diskussionen zum Thema „Herbeiführen von Nutzen und Abwenden von Schaden“ sind auch keine Diskussionen, die erst im 20. Jh. geführt wurden. Schauen wir in Fatwa-Sammlungen aus unterschiedlichen Zeiten und Kontexten, dann können wir sehr wohl auch realitätsnahe Lösungen finden. Das diese Dinge heute von Muslimen nicht mehr tief gelernt oder gelehrt werden und nicht beachtet werden, ist ein Problem, den Gelehrten aus dem 3. Jh. dafür jetzt aber die Schuld zu geben, ist weit hergeholt, wie ich finde.

    Und ist jeder, der in den Usul Kategorien von ḥalāl und ḥarām denkt, „islamistisch und streng konservativ“? Das könnte man so verstehen, wenn man ihren kurzen Artikel so liest.

    Einiges hört sich schön an, doch Maqāṣid aš-Šarīʿa zur Ermächtigung des Laien ist doch eher ein Wunschdenken.

    Sufismus als Reaktionsbewegung darzustellen, ist sehr undifferenziert. Zum Teil ist es auch ein orientalistisches Narrativ.

    Und ob wir Menschen so einfach entscheiden können, was „Gut“ und „Böse“ ist oder ob wir dafür auf Waḥī angewiesen sind, ist eine bekannte Kalām Diskussion und müsste nochmal betrachtet werden.
    Am Ende beschreiben Sie sehr schön, dass das alles nur mit der Hilfe und Rechtleitung Allāhs geht. Die Frage aber: Wie erlangen wir diese? Durch eigenes Wissen und Gewissen oder durch den Waḥī? Oder beides?

    Das wir Probleme und noch nicht gelöste Herausforderung haben und in Teilen auch mehr Vielfalt brauchen, sehe ich ein, doch würde ich mir von einem Wissenschaftler und bekannten deutschen Islamischen Theologen mehr Differenziertheit und Substanz wünschen.
    Vielen Dank!

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